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Tagesfunde am 16.01.09: Abwrackprämiennutzer, Ganz viel Kehlmann, Bibliotheken ohne Mitarbeiter und Gantenbergs Lesereise.

Freitag? Schon wieder? War nicht gerade noch … ach egal. Immerhin folgt nach dem Wochen-Endtag ein Wochenendtag. Das lässt hoffen. Ich habe da ein paar unerledigte Sachen, die für einen weiteren Aufschub schon einer gewieften Begründung bedürften.

Derzeit versuche ich herauszufinden, welchem Autohersteller ich die 2500 Merkel Euro Abwrackprämie weiterreichen darf*. Nachdem mich mein fast 18 Jahre alter Golf nun mehrfach aus- und eingesperrt hat und überhaupt allerlei Wehwehchen und einen exorbitant hohen Spritverbrauch (>13l) hat, könnte diese Prämie eine willkommene Gelegenheit sein. Und wenn meine Kinder schon unserer Schuldenberg abtragen müssen, dann sollen sie wenigstens etwas davon haben (immerhin bringe ich sie mit dem Wagen zur Schule).

Im Literatur-Umfeld heute gefunden:

  • Lesereise: Michael Gantenberg erzählt in seinem Roman “Neu- Erscheinung” die unverschämt lustige Geschichte um einen unglaublichen Fortsetzungsroman, der eine glückliche Ehe und eine gläubige Kleinstadt durcheinanderwirbelt. Der Autor ist mit Bastian Pastewka auf Lesereise. Buchpremiere ist am 1. Februar 2009 in Soest, dann folgen Hamburg (3.2.), Berlin (5.2.), Wuppertal (8.2.), Bonn (9.2.), Köln (10.2.) und Düsseldorf (11.2.).
  • Schweden plant Bibliotheken ohne Bibliothekare und wenn dann eines Tages noch die eBooks dazugekommen, stirbt ein ganzer Berufszweig.
  • Publikumserlage im Web 2.0
  • Es ist anscheinend gerade Daniel Kehlmann Woche. Überall nur noch Kehlmann. Müsste ich den mal lesen?

* es ist schon seltsam, wie unterschiedlich sich Autoverkäufer benehmen. Vielleicht sollte ich einen Ratgeber schreiben. Arbeitstitel: Autokauf für Drillingsväter (und andere Geschlagene) leicht gemacht.

Das digitale Verleihen.

Die Zeit online führte ein Interview mit Claudia Weismann. (Verkaufsdirektorin bei overdrive). Das Gespräch kreiste um das Thema eBooks und ein mögliches Ende von gedruckten Büchern. Weismann sagt: „Den größten Vorteil haben die Bibliotheken: Ein E-Book ist immer verfügbar. Die Bibliotheksnutzer können Wissen jederzeit abrufen. Sie müssen sich nicht ärgern, wenn ein Buch aus dem Bestand verliehen ist.“

Genau das, stellt für mich ein großes Problem dar. Die meisten meiner Bücher habe ich gekauft, weil ich mich nicht mit den Unzulänglichkeiten einer Bibliothek herumärgern wollte. Bücher leihen scheitert bei mir häufig an zwei Hemmnissen: Das Buch ist gerade verliehen oder ich habe gerade keine Zeit extra in die Bibliothek zu fahren. Außerdem kann ich nicht warten. Wenn ich ein Buch haben möchte, dann möchte ich es sofort. Vorbestellen wäre für mich eine Qual. Überdies liebe ich es, ein Buch als Erster zu öffnen. Da sollen nicht schon zig Andere drin herumgefingert, raufgeniest, reingekrümelt oder sonst was mit angestellt haben. Ich bin mir sicher, dass es für meine Eigenarten einen medizinischen Fachbegriff gibt, aber ich stehe dazu.

EBooks würden für mich diese beiden Bibliotheks-Nutzungs-Hemmnisse aus dem Weg räumen. Und sie würden mich davon abhalten, Bücher zu kaufen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Sinne der Verlage ist. In meinem Sinne (als angehender Bestseller-Autor) ist es schon gar nicht..

EBooks mit einem passenden Lesegerät wären eine wunderbare Sache. Darin liegt aber gleichzeitig das Dilemma. Wenn ich eBooks kaufen kann, muss ich sie auch ausleihen können. Sonst macht das System Bibliothek keinen Sinn mehr. Wenn ich sie aber jederzeit leihen kann, ohne bei der Verfügbarkeit oder dem Zustand Einschränkungen hinnehmen zu müssen und ohne, dass es mich Geld kostet, warum sollte ich sie dann noch kaufen? Und wenn ich sie nicht mehr kaufe, warum sollte sie dann noch jemand produzieren?

Eine Möglichkeit wäre sicherlich, die Verleihpraxis von EBooks gegenüber Büchern zu ändern. Natürlich könnte man die Anzahl gleichzeitigen Ausleihen eines EBooks künstlich beschränken. Oder man könnte eine Premium-Ausleihe erfinden, mit der die Mehrfachausleihe möglich wird und das Ganze entsprechend bepreisen. Aber ist das auch im Sinne der Bibliotheken sinnvoll? Ich denke, dass muss man ganz eindeutig mit nein beantworten. Oder wird es am Ende so sein, dass man EBooks überhaupt nicht ausleihen kann, sondern nur vor Ort einsehen? Das klingt zunächst sehr absurd, wären doch EBooks prädestiniert dafür, von jedem Ort der Welt zu jeder Zeit eingesehen zu werden. Aber es könnte so kommen.

Es mag sein, dass der Endverbraucher (= Leser) Vorteile durch EBooks hat. Es ist aber auf jeden Fall so, dass die literarische Welt in all ihren Zusammenhängen dadurch noch komplizierter wird. Ich bin mir allerdings sicher, dass dafür Lösungen gefunden werden. Ob diese Lösungen dann allerdings noch immer die Vorteile für den Verbraucher im Blick haben, wage ich zu bezweifeln.

Eine Frage, die mir in diesem Zusammenhang nicht aus dem Kopf will: Wäre ein Siegeszug von EBooks eigentlich das gleichzeitige Ende von Druckkostenzuschussverlagen? Natürlich nicht in dem Sinne, dass sie dann Produktionskostenzuschussverlage genannt werden müssten. Aber ein EBook ist eben für jeden schnell, einfach und kostengünstig herzustellen.

Weihnachtsgeschenk-Tipp für Schreibende #14. Der freie Tag.

Meine kleine Weihnachtsgeschenk-Tipp Reihe möchte ich heute fortsetzen mit einem weiteren günstigen Geschenktipp. Dieser ist sogar kostenneutral, dafür allerdings nur etwas für Menschen, die in Beziehungen mit Alltagsverpflichtungen (sprich Kinder) leben. Schenkt Eurem Liebstem bzw. Eurer Liebsten einen freien – aber zweckgebundenen Tag. Schickt sie in die Bücherei. Lasst sie arbeiten, entdecken und genießen. Und empfangt sie nach ihrer Rückkehr mit Kaffee und Kuchen. Dazu könnte man einen einlösbaren Gutschein zum Beispiel für 12 Bibliotheksnachmittage basteln.

Gut, dieser Tipp mag jetzt ein wenig aus der eingeschränkten Sicht eines Mehrmehrlingsvaters stammen, dessen Einbindung in die Familienpflichten vielleicht über denen eines Einlingsvaters hinausgeht, aber ich kann mir dennoch gut vorstellen, dass sich auch Andere über ein solches Geschenk freuen.