“Nein. Jetzt nicht! Vielleicht nachher. Wenn ich es schaffe. Nein! Jetzt kann ich nicht. Ich muss das noch lesen.”

“Wie immer. Nie hat er Zeit. Immer ist irgend etwas anderes wichtig. Nie ich!”

“Es tut mir leid. Wirklich. Eigentlich würde ich ja gerne, aber ich muss hier fertig werden. Nachher vielleicht.”

“Warum ist er so zu mir? Ich habe doch nichts gemacht. Er mag mich nicht mehr. Ich habe etwas falsch gemacht. Aber ich weiß nicht einmal was.”

“Wann hört dieses Generve endlich auf? Ich kann doch nichts dafür. Irgendwann muss ich diesen Kram doch erledigen. Ich habe jetzt keine Zeit. Ich habe mir das nicht ausgesucht. Versteh doch! Ich mache das schließlich auch für Dich!”

“Habe ich darum gebeten? Hast Du mich jemals danach fragen hören? Oder meinst Du nur, dass ich das so will?”

“Jetzt zieh nicht so ein Gesicht. Ich mach das wieder gut. Bestimmt. Nachher. Oder morgen. Ganz bestimmt am Wochenende.”

Weg ist es! Weg ist dieses Paar Augen. Dieses Paar Augen dass ich so liebe. Hat sich samt Körper umgedreht und ist gegangen. Mein letzter Satz ist ohne Antwort geblieben. Obwohl - Du hast geantwortet. Nur ohne Worte. Ich sollte mir mehr Zeit nehmen. Was heißt hier mehr. Ich sollte mir überhaupt Zeit nehmen. Aber wann habe ich schon einmal Zeit. Wann, wenn nicht jetzt? Mit jedem Tag der vergeht, wird die Zeit weniger wichtig. Zu mindestens für uns. Später brauchst du meine Zeit nicht mehr. Nicht mehr so wie jetzt. Jede ungenutzte Stunde ist eine verlorene Stunde. Das klingt platt und ist es auch. Aber dafür ist es die Wahrheit. Vielleicht muss ich die Prioritäten anders setzen? Im Büro kann ich das doch auch. Mir ist hier soviel wertvolles anvertraut worden. Ich habe kein Recht darüber zu entscheiden, wann ich Zeit dafür habe. Das gehört nicht zu meinen Aufgaben. Und die anderen Dinge? Welche anderen Dinge sind es wert, die wertvollen, nie wiederkehrenden Momente mit dir verstreichen zu lassen? Oder vielmehr ohne dich! Keine? Einige? Letztendlich doch alle? Kann ich die verfügbare Zeit überhaupt so einteilen, dass es alle zufrieden stellt? Dich, mich und die Bank? Genug gefragt. Antworten müssen her. Schwierige Antworten. Oder vielmehr Antworten auf schwierige Fragen. Genau genommen sind die Antworten schon da. Von oben betrachtet, von ganz weit oben betrachtet, gibt es nur das Eine. Und nur das ist wichtig. Nur das Eine, das nicht aufschiebbar ist. Klar. Die Bank will ihr Geld. Die andere Bank auch. Aber sind das dicke Auto und das große Haus es wirklich wert? Wie teuer bezahle ich diese Dinge wirklich? Das hat mir der Kreditberater nicht gesagt. Das stand nicht auf der Liste. Ich sollte es wissen. Die Antworten auf diese Fragen kennen. Das ist meine Aufgabe. Und natürlich kenne ich die Antworten. Nur bin ich wohl nicht stark genug um so zu handeln. Zu viel Druck aus allen Richtungen.

Und noch ein Mal dreht sich dieses geliebte Augenpaar um und schaut her. Ruht auf mir. Wartet auf die Zeit, die ich ihm versprach. Erwartungsvoll und gleichzeitig unendlich traurig, weil es weiß, dass ich dieses Versprechen nicht einhalten werde. Mal wieder?

“Schau nicht so! Ich habe doch nichts gemacht!”, will ich schreien. Aber Du würdest erwidern: “Eben! Immer hast Du etwas anderes zu tun. Das kannst Du doch auch später machen. Warum hast Du keine Zeit für mich. Jetzt! Für uns? Ich werde nicht ewig warten. Der Moment wird vorbeigehen und es wird Deine Schuld sein. Ich werde mich alleine beschäftigen und irgendwann werde ich aufhören zu fragen, weil ich die Antwort kenne. Gelernt habe. Von Dir! Und nur für den Fall, dass Du dann doch Zeit hättest - Es könnte sein, dass mich das dann nicht mehr interessiert!”

Hast du wirklich solche Gedanken, oder interpretiere ich nur Deinen Blick falsch? Kannst Du so denken? Oder setze ich mich nur selber unter Druck? Noch mehr Druck! Aber Du musst es können. Ich habe Deine Augen gesehen. Immerhin. Ich habe das Signal entdeckt. Die Warnung verstanden. Mich vor mir selbst erschreckt. Erschreckt, wie schnell alles gegangen ist. Die ganze Zeit habe ich es nicht gemerkt. Erst jetzt. Gerade eben, als du mich ansahst. Die Erkenntnis reifte fast fünf Jahre lang. Fünf Jahre, die uns fehlen werden. Es hätten aber auch 18 werden können. Da wären wir nicht die ersten, denen es passiert.

“Komm. Die Sonne scheint nicht ewig. Lass uns gehen. Jetzt!”, höre ich mich sagen. Irgendwie, ganz weit weg.

“Was geht hier vor? Hat er das eben wirklich gesagt? Hat er die Zeitung weg gelegt und ist aufgestanden? War das ein Lächeln? Das glaube ich nicht. Das kann nicht sein! Ob ich Stürmer oder Torwart sein will?

Stürmer. Papa! Stürmer!

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