Eines Tages wird Steve Jobs einen DIN-A5 Umschlag vor sich auf das Sprecherpult legen und anfangen zu reden. Er wird über Apples grandiose Verkaufszahlen sprechen, ein paar Scherze über Microsoft machen und etwas später dann ein sehr schlankes, fürchterlich sexy aussehendes Gerät aus dem Umschlag holen. Den iReader. Es wird vorher wochenlanges Gemunkel gegeben haben. Gerüchte und Theorien. Nun wird er ihn hochhalten, den iReader. Auf der Leinwand hinter ihm wird eine Webseite zu sehen sein, die iLetters heißen könnte. Jobs wird Verträge mit den Verlagsgrößen der Welt bekanntgeben, die es möglich machen, Bücher digital auf den iReader herunter zu laden. Er wird Verträge mit den großen Periodika-Publizisten bekannten geben, die es möglich machen, Tageszeitungen und Zeitschriften als BookCast zu abonieren. Es wird möglich sein, eigene Inhalte sehr einfach über den iLetters-Store zu verbreiten.
Welch markante Überschrift habe ich mir denn da ausgedacht? Nun: Die Schweinegrippe hielt mich in den letzten Tagen in ihren fiebrigen Hauern umschlungen und hat unsägliche Dinge mit mir angestellt. Aber lassen wir das und kommen zum eigentlichen Inhalt. Ich wollte doch nur der Welt erklären, wie schlecht es mir ging.
Autorenmarketing finde ich grundsätzlich immer gut. Je individueller, desto besser. Eigentlich. Denn ab und an geht da auch mal etwas daneben. So sieht nun mal nicht jeder in Unterwäsche gut aus. Mein neues Beispiel aus dieser Reihe der Dinge, die Autoren besser lassen sollten, ist Rolf Bauerdick.
Bauerdick hat einen Roman geschrieben. Bestimmt keinen Schlechten. Immerhin reizt mich die sonstige Verlagswerbung zu diesem Buch, beim nächsten Besuch bei meinem Buchhändler mal einen Blick in Bauerdicks “Wie die Madonna auf den Mond kam” zu werfen. Und allerorten wird lobend von seinem Debut gesprochen und geschrieben. Zudem sind die Übersetzungsrechte an acht Sprachen noch vor der Ersterscheinung verkauft worden. Es scheint also etwas dran zu sein, an der Madonna auf dem Mond.
Nun hat der Autor allerdings nicht nur ein Buch geschrieben, sondern er hat überdies auch noch eine Zusammenfassung des Inhaltes gegeben. Löblich, löblich mag man denken. Allerdings ist diese Zusammenfassung in Form eines kleinen Videos veröffentlicht worden, in welchem der Autor an einem Tisch vor seiner Bücherwand (wie originell) lümmelt und in authentisch-ungeschnittener Weise seinen Romanstoff in die Kamera spricht. Wobei “spricht” an dieser Stelle vermuten lässt, dass es sich um vernünftige, zusammenhängende oder gar aufbauende Sätze handelt. Dem ist jedoch nicht so. Ok – Sagen wir: Nicht so richtig. Irgendwie will der Funke der Begeisterung nicht so recht überspringen. Vielleicht hätte man dem Autor doch einen Moderator an die Seite setzen sollen – oder die Aufnahme üben – oder vielleicht noch einen zweiten Versuch machen sollen …
Aber seht selbst. Sein Verlag hat das Video veröffentlicht.
Nein. Das soll keine herbstliche Content-Offensive sein. Es gibt nur mehr zu berichten in den letzten Tagen. Nun gut. Außerdem verschiebt sich mein Aktivitätenfokus im produktiven Bereich wieder mehr auf das Schreiben. Was mich freut und zuversichtlich macht, dass es weitergehen kann.
Schlimm genug, dass ich das Gefühl habe, mich erklären zu müssen. Aber zur Sache.
Ich habe einen Buchmessenbericht gefunden, der vor Autorenfreude nur so strotzt. Einen Bericht, der den Leser fühlen und schmecker lässt, wie es gewesen wäre dabei zu sein. Kurz: Einen Bericht, den ich so lesenswert finde, dass ich ihn hier verlinke.
Und wer danach wieder von der Messe-Euphorie befreit werden möchte, dem empfehle ich “Mein erstes Mal in Leipzig“.
Da sage noch mal einer, dass Twitter zu nichts nütze sei. Gerade eben kam ein Tweet vom Eichborn-Verlag vorbeigeflogen, der mich auf eine PR-Aktion vom “Verlag mit der Fliege” hinwies. Echten(!) Fliegen wurden mit Wachs kleine Werbebanner angeklebt und diese Fliegen flogen (was auch sonst) dann über die Frankfurter Buchmesse und machten Reklame für Eichborn.
Auf der Verlagsseite kann man sich ein Video dieser wirklich lustigen Aktion ansehen. “Abflug” hier …
(Das Ganze hat wohl einen wesentlich besseren Marketing-Effekt als die Geschichte von Herrn Schätzing …)
Meinem Twitterauswurf könnt ihr übrigens hier folgen.
Ganz im Ernst. Ich bin ein großer Freund, um nicht zu sagen FAN von außergewöhnlichen Marketingaktionen. Aber Unterwäschemodel ist ein Job, den meiner Meinung nach nur Menschen tun sollten, die dafür auch gerüstet sind. Bloß gut, dass Frank Schätzing so eine außergewöhnliche Frisur hat. Die hat nämlich die Kraft, den Blick vom krampfhaft eingezogenen Bauch Rest abzulenken …
Während ich mich mal wieder selbst finden möchte, macht Herr Paulsen seinen Kiosk dicht. Das wäre an dieser Stelle natürlich keine Meldung wert (nicht, weil es keine Meldung wert wäre, sondern vielmehr, weil es hier nicht hingehört), wenn ich nicht den Link zum Kiosk entfernt hätte.
Und irgendwie fühle ich mich so, als wenn ich erklären müsste, dass ich den Link entfernt habe.
Soso. Ian Rankin hat nun, nachdem er meinen John Rebus in Rente schicken musste, einen neuen Charackter hervorgebracht: Malcom Fox. Malcom Fox ist ein ehemaliger Alkoholiker, zumindest hat er – im Gegensatz zu John Rebus – dem Trinken abgeschworen.
Alleine diese kurze Beschreibung macht für meine Begriffe schon recht deutlich, wo das Problem für einen erfolgreichen Autor liegt, wenn er etwas Neues beginnt: Die Abgrenzung zu dem Vorher. Die John Rebus Fangemeinde wird jeden neuen Rankin Satz an den Rebus-Romanen messen. Und wehe es findet sich irgendwo auch nur der Hauch einer Ähnlichkeit.
Also bleibt dem Autor nichts weiter übrig, als seinen neuen Charackter so anders wie nur irgend möglich zu gestalten.
Und dann kommt so ein dahergelaufener Möchtegern wie ich daher, der sofort denkt: NA KLAR, dieser Fox ist jetzt überall genau das Gegenteil von Rebus. War ja klar. Boah, wie einfallslos …
Dennoch bin ich sehr, sehr gespannt auf die deutsche Fassung von “The Complaints“.
Eine interessante Meinung zu Rankins neuem Charackter könnt Ihr in diesem (englischen) Beitrag auf theglobeandmail.com lesen.
Nun gut. Als Veröffentlichung kann man das wahrscheinlich nicht wirklich durchgehen lassen. Aber ich bin mir sehr sicher, dass ich in 2010 eine etwas andere Ankündigung in dieser Richtung machen kann
Ich übe mich gerade erst wieder warm. Aber die Zusammenfassung von literaischen Geschehnissen des Augustes im Literatur-Blog ist empfehlenswert. Gut. Der letzte Satz ist jetzt mißverständlich. Es geht natürlich nicht um die Geschehnisse im Literatur-Blog, sondern um die um August. Im Allgemeinen. Oder so.
Es ist warm in Berlin. Das muss als Entschuldigung für mein obiges Satzgestammel reichen! Danke.
Das mit meiner neuen blogdiversität könnte tatsächlich funktionieren … Links die Literaturthemen und rechts die IT-Sicherheits Themen. Dann ist das blog endlich so schizophren wie ich es immer sein muss …
Jetzt muss ich mich nur noch um die ehemalige sidebar kümmern, damit daraus jetzt ein anständiger footer wird
Ach ja – und übrigens ist es mir tatsächlich egal, wenn eure Bildschirmauflösung nicht zu meiner Diversität passt. Ehrlich!